11. Januar 1896

6. April 2012, von Henriette Gerber in ARCHIV, Januar

Aus einer Postkartensammlung vom Flohmarkt:

 

… in drei Tagen. Hoffe dich in Wien anzutreffen, alter Freund. Hörte, du bist jetzt bald unter der Haube? Wie laufen die Geschäfte? Ich handele weiter mit Fellen, eine ehrliche Sache und geht gut. Hier in Leipzig einen Vertrag geschlossen mit einem der besten Geschäfte.

Den Abend gestern im Varieté gewesen in der Alberthalle. Das können wir in Berlin nicht besser. Und jede Menge hübscher Frauen gibt es hier. Phänomenal, aber Vorsicht! Sie sind stolz oder neigen zu dieser Art, ihren eigenen Kopf zu haben. Hab mir die Ohrfeige einer Kellnerin verdient, aber den Spaß war es wert.

Herzlichst…

 

Meine liebe Hilde,

 gestern von Dresden nach Leipzig weiter, gut angekommen im neuen Bahnhof. Die haben hier ganze sechs. Geschäfte laufen gut, bin heut am Brühl Felle für dreißig Pelze losgeworden, der Vertrag ist in der Tasche. Trinke jetzt ein Glas darauf und auf dich im Kaffeehaus. So, wie ich mir eines in Wien denke. Wo der Mauser Friedrich inzwischen lebt. Bin in drei Tagen dort, treffe ihn vielleicht. Hoffe auf weitere Verträge. Die Kellnerinnen hier sind übrigens sehr unfreundlich.

Vermisse dich und die Kinder, umarme dich herzlich…

 

 

KAFFEEHAUS RIQUET / SCHUHMACHERGÄSSCHEN

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