26. Oktober 1813

21. Oktober 2012, von admin in ARCHIV, Oktober

Christian Gottfried Heinrich Geißler betrachtete seine Skizze. Christine Wilhelmine Auguste rief die Kinder zum Abendessen, ihr lieber Mann mit eingeschlossen könne wohl seine Arbeit für den Augenblick ruhen lassen. Aber keiner wollte heute hören.

Die beiden älteren Brüder waren aufeinander losgegangen und Emilie stürzte sich mit ihren fünf Jahren mitten ins Gefecht. Die Mutter konnte nichts ausrichten und der Vater betrachtete die Kinder eine Weile so.

Die Angst hatte sich verflüchtigt. Die Zeichenfeder hatte ihm dabei geholfen. Zig Male war sie übers Papier gekratzt, farbige Aquarelle machten die realen Bilder vergessen. Vor vier Jahren hatte er als Stecher für den Kriegskalender für gebildete Leute aller Stände gearbeitet, längst interessierte man sich auch für seine Zeichnungen. Peter Carl, mit seinen elf Jahren der Älteste der drei, war an seinen Arbeitstisch getreten. Neugierig folgten die anderen.

Wer dieser Mann mit dem komischen Hut sei ? Napoleon Bonaparte, der Kaiser der Franzosen.Und die Raben, die auf den Menschen hocken, die am Boden liegen ?, fragte August. Wie antwortet man einem Kind auf solch eine Frage, ohne es zu belügen ? Da fiel ihm die Antwort ein:  Fällt  er in den Graben, fressen ihn die Raben. Fällt er in den SumpfMacht der Reiter plumps, fiel Emilie ihm ins Wort. Ja, genauso ist es gewesen, strich Geißler seiner Jüngsten mit der Hand über den Kopf. Die Verbündeten hatten Napoleon und seine Truppen vor einer Woche aus der Stadt vertrieben. Und dieses Bild hier, warum rennen die in den blauen Jacken so schnell ?, fragte sie.

Weil sie nach Hause wollen. Zu ihren Familien. Und wascht euch die Hände, jetzt wird gegessen.

 

 

BLICK  VOM  VÖLKERSCHLACHTDENKMAL  ZUR  STADT

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